Girokonto für Ausländer? Diese Möglichkeiten der Kontoeröffnung bestehen in Deutschland

Girokonto Ausländer FlüchtlingeFlüchtlinge, die nach Deutschland kommen, haben in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft andere Probleme, als ein Girokonto zu eröffnen. Doch schon nach ein paar Monaten, spätestens wenn der Umzug in eine Wohnung ansteht, ändert sich dies. Während das Taschengeld in den Erstaufnahmeeinrichtungen in aller Regel bar ausgezahlt wird, erfolgen die Zurverfügungstellung von weiteren Sozialleistungen für den Lebensunterhalt für Flüchtlinge, die in Wohnungen leben, bevorzugt per Überweisung. Dies ist nicht nur für die Empfänger wesentlich praktischer, sondern spart auch den auszahlenden Kommunen viel Personalaufwand und hohe Kosten. Doch ohne ein Konto für Flüchtlinge ist dies nicht möglich.

In der Vergangenheit haben sich viele deutsche Kreditinstitute geweigert, eine Kontoeröffnung für Flüchtlinge vorzunehmen.

Hinweis: Auch zahlreiche sozial-schwache Deutsche leiden darunter, dass sie bislang keine Möglichkeit hatten, ein Girokonto für bargeldlose Transaktionen zu nutzen. Seriösen Schätzungen nach betrifft die Verweigerung der Kontoeröffnung insgesamt über eine Million deutscher Bürger und Ausländer.

Damit ein Girokonto für Ausländer, die einen Asylantrag stellen, und andere Sozialschwache verfügbar ist, hat die Bundesregierung nun gesetzliche Änderungen auf den Weg gebracht. Künftig sind Banken verpflichtet, Flüchtlingen und Deutschen mit geringem Einkommen, negativer Schufa oder anderen Problemen ein Basiskonto einzurichten.

In der Regel sind diese Konten grundsätzlich nur auf Guthabenbasis möglich. Das bedeutet, dass Überziehungen beziehungsweise eine Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits nicht vorgesehen ist. Sobald das Girokonto für Ausländer keine ausreichende Deckung aufweist, sind keine Transaktionen mehr möglich.

Welche Transaktionen sind mit einem Basis-Konto für Flüchtlinge überhaupt möglich?

Auf ein Basis-Konto können sich Ausländer verschiedene Sozialleistungen überweisen lassen. Soweit ausreichend Guthaben vorhanden ist, können sie Geldabhebungen von Automaten oder am Schalter, Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften sowie Zahlungen per EC-Karte vornehmen. Da die Basis-Konten ausschließlich auf Guthabenbasis geführt werden, entfällt übrigens auch die sonst erforderliche Überprüfung der Bonität.

Ist die Eröffnung eines Basis-Kontos für Flüchtlinge auch ohne Pass oder Ausweis möglich?

Seit dem 09.09.2015 können Ausländer sogar ohne gültige Ausweispapiere ein Konto eröffnen. Die Grundlage für diese Neuerung bildet der Beschluss des BaFins (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen), die bisherigen Vorschriften für die Kontoeröffnung angesichts des hohen Zustroms an Flüchtlingen zu lockern.

Die neue Regelung verpflichtet Kreditinstitute Dokumente der Ausländerbehörde für den Nachweis der Identität des ausländischen Kunden zu akzeptieren. Diese Papiere müssen die folgenden Merkmale aufweisen beziehungsweise Informationen enthalten:

  • Ausstattung mit dem Originalbriefkopf einer deutschen Ausländerbehörde
  • Versehen mit dem Siegel der Ausländerbehörde
  • Alle wichtigen Identitätsmerkmale, insbesondere Name, Geburtsort, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Adresse
  • Foto
  • Eigenhändige Unterschrift des Ausländers

Nachdem mit Hilfe dieses Dokuments ein Antrag auf die Eröffnung eines Girokontos für Flüchtlinge gestellt wurde, muss die Bank innerhalb von maximal zehn Tagen ein entsprechendes Konto einzurichten. Versäumt sie diese Frist, kann das BaFin das Kreditinstitut zur Kontoeröffnung zwingen. Mit der Einführung dieser Regelung setzt die Bundesregierung übrigens die EU-Zahlungskontenrichtlinie aus dem Jahre 2014 um.

Tipp: Viele Banken beachten die neuen Vorgaben noch nicht. Betroffene, denen die Eröffnung eines Kontos verweigert wird, oder Unterstützer, die Flüchtlingen bei der Kontoeröffnung helfen, sollten sich an die Verbraucherberatung vor Ort wenden. Hier finden sie die erforderliche Unterstützung, sodass es mit dem Girokonto doch noch klappt.

Im Zuge dieser Neuregelung sind Banken nunmehr auch verpflichtet, die Kosten für die Kontoführung auf leicht verständliche Form zu veröffentlichen. Auf diese Weise ist es Kunden leichter möglich, Kontoführungsgebühren unterschiedlicher Banken miteinander zu vergleichen.

Tipp: Auch wenn es um die Eröffnung eines Basiskontos für Flüchtlinge geht, sollte man unbedingt die Konditionen verschiedener Kreditinstitute vergleichen. Schließlich sollten Asylsuchende nicht gezwungen sein, das ihnen zur Verfügung stehende knappe Geld unnötig für überhöhte Kontoführungsgebühren auszugeben.


Bildquelle: stockWERK – Fotolia

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